Neuer Computerraum in der Unterkunft Freiligrathstraße

Im Zuge des Erweiterungsbaus in der Freiligrathstraße wurden „Gertrud hilft“ von „fördern & wohnen“ Ende des Jahres 2016 weitere Räume zur Verfügung gestellt. Damit ist es unter anderem möglich geworden, Parallelveranstaltung durchzuführen oder auch während des Deutschunterrichtes eine Kinderbetreuung anzubieten.

Aufgrund dieser exzellenten Raumsituation konnte ein Projekt in Angriff genommen werden, das lange angedacht war, aber wegen der vorherigen Raumsituation nicht realisiert werden konnte: Die Einrichtung eines Computerraumes. Nun musste aber die nächste Frage beantwortet werden: Wie sollte dieses Vorhaben finanziert werden?

Wir wussten, dass die Stadt Hamburg einen Integrationsfonds zur Verfügung gestellt hatte. Also wurde ein gut begründeter Antrag gestellt. Die Antwort kam prompt: Wir sollten uns an den zuständigen Bezirk wenden. Also wurde ein neuer Antrag an den Bezirk Nord gerichtet. Nach einigen Nachfragen des Bezirkes wurde der Antrag schneller als gedacht genehmigt.

Die Ausstattung konnte beschafft werden, eine zusätzliche Leitung musste in der Unterkunft von einem ausgewählten Provider gelegt werden – was trotz vieler Verzögerungen durch den Provider letztendlich gelang. Sechs Computer wurden aufgebaut und konfiguriert. Im Mai 2017 wurde der Raum eröffnet.

Auf den Computern steht Lernsoftware bereit, um den Deutschunterricht und die Hausaufgabenhilfe zu unterstützen und zu verbessern. Daneben sind andere Lernanwendungen denkbar, zum Beispiel Software zur Unterstützung der Führerscheinprüfung oder sogenannte audiodigitale Lernsysteme in Form von Tiptoi-Vorlesebüchern, die den Lernspaß der Kinder besonders fördern. Außerdem kann die Nachhilfe von Jugendlichen mit Computern professionell unterstützt werden.

Mit Hilfe der Computer und eines zusätzlichen WLAN-Hotspots im Außenbereich haben die Flüchtlinge darüber hinaus die Möglichkeit, den per E-Mail oder Skype Kontakt zu ihren Freunden und Familien in aller Welt herzustellen. Dies ist ein wichtiger Aspekt bei der Unterstützung der Integration.

Der Computerraum ist zu bestimmten Zeiten geöffnet. Es ist eine ehrenamtliche Aufsicht vor Ort, die auch leichte Hilfestellung bei der Nutzung geben kann.

Wir würden gerne zusätzliche Öffnungszeiten anbieten, benötigen dazu aber weitere ehrenamtliche Unterstützung. Für diese Tätigkeit reichen Computer-Grundkenntnisse aus. Wir suchen aber auch Menschen, die Computerkurse für die Geflüchteten anbieten.

Wenn Sie sich vorstellen können, uns in diesen Bereichen zu unterstützen, melden Sie sich bitte unter Angabe der möglichen Zeiten unter info@gertrud-hilft.de oder telefonisch unter 01577 5296365.

Ulf Andresen
Juni 2017

„Schreibwerkstatt?“ …

… ruft mir Miriam Duijn entgegen, als ich bei der Wohnunterkunft am Lerchenfeld ankomme. Ich befestige mein Fahrrad und strahle sie an. „Ja!“, sage ich und freue mich. Die Schreibwerkstatt hat sich etabliert. Für Hussein, Mohammad, Laith und Masoud ist das regelmäßige Zusammentreffen am Mittwoch von 18 bis ca. 20 Uhr ein fester Bestandteil geworden.

Als Hussein bei einem Zusammentreffen Anfang November 2016 davon sprach, wie gern er Gedichte lese und vor allem selber schreibe und um Unterstützung dafür bat, war unsere Stunde geschlagen. Franziska und ich verspürten große Lust dazu, Hussein und weiteren interessierten Jungen beim Schreiben jeglicher Art zu helfen. Den Anfang machten Gedichte. Es folgten gesungene Balladen von Achim Reichel. Die Texte zu verstehen, erwies sich allerdings als nicht so einfach, für das Schreiben eigener Gedichte in deutscher Sprache fehlte es noch an Wortschatz.

Deshalb überlegte ich mir einen anderen Zugang für die Jungen und wählte ein Hörspiel aus. Gesprochene Dialoge würden unseren Teilnehmern das Verstehen der deutschen Sprache erleichtern. Das erwies sich als richtig. Dass uns das Hörspiel “Nathans Kinder“ viele Anstöße zum Diskutieren und zum Schreiben lieferte, war ein großer Gewinn für uns alle. Franziska und ich gingen oft beseelt nach Hause. Dieser Jude Nathan warf viele Fragen auf: „Gibt es die eine wahre Religion?“ und „Ist nicht jeder von uns zuallererst ein Mensch?“ Durch diese Impulse und Denkanstöße wurden die Teilnehmer unserer Schreibwerkstatt sehr nachdenklich. Begriffe wie “Identität“ und “Sozialisation“ wurden besprochen, in Relation zu verschiedenen Gesellschaftsformen gestellt und durch eigene Erfahrungen anschaulich gemacht.

In jeder Diskussion erleben uns die Jungen – die junge berufstätige Franziska und mich, die pensionierte Lehrerin – als streitbare, gleichberechtigt auftretende Frauen. Auch darüber sprachen wir. Uns interessiert ihr Frauenbild, das durch eine ganz andere Kultur geprägt ist. Sicher ist, dass die vier Jungen, die regelmäßig in die Schreibwerkstatt kommen, uns sehr schätzen. Unsere Zusammentreffen finden auf Augenhöhe statt. Die Atmosphäre ist sehr vertrauensvoll. Im Rahmen dieser uns allen lieb gewordenen Schreibwerkstatt begleitete Stephanie unsere vier Jungen zu einem Poetry Slam ins Ernst-Deutsch-Theater. Weil Franziska und ich nicht dabei sein konnten, erreichte uns prompt ein Foto aus dem Theater. Zur Verständigung untereinander richteten die Jungen eine WhatsApp-Gruppe ein. Sie gaben ihr den Namen “Die Besten“.

Nachdem wir das Hörspiel “Nathans Kinder“ abgeschlossen hatten besuchten wir die Vorstellung “Nathan die Weise“ im Thalia Theater an der Gaußstraße. Das war eine echte Herausforderung für uns alle, weil die Interpretation die Grundlage zwar erkennen ließ, aber eine sehr eigenwillige Darstellung des Nathans ist. Masoud empfand den Nathan als Katastrophe, Laith amüsierte sich über meine Mimik während der Aufführung, der durch eine Zahn-OP etwas beeinträchtigte Hussein schüttelte den Kopf und Mohammad war so mutig, später die Darsteller anzusprechen. Es war das Gemeinschaftserlebnis, das uns bei diesem Theaterbesuch am besten gefiel. Wir saßen anschließend noch zusammen und sprachen über das Stück.

Seit kurzem bearbeiten wir Deutsch-Prüfungsarbeiten für den Einfachen Schulabschluss (ESA), weil Masoud im Mai an den Prüfungen in allen drei Hauptfächern teilnehmen wird. Für alle ist es eine sehr gute Übung. Woran wir ab der dritten Mai-Woche arbeiten werden, besprechen wir vorher mit den Jungen. Ideen von unserer Seite gibt es genug.

Die Freude weiterzumachen ist groß.

Dagmar Lücke-Neumann, Franziska Olbricht
April 2017

Alphabetisierungskurs in der Freiligrathstraße

Seit März 2017 läuft er: Der Alphabetisierungskurs. Mit anfangs Imme Winckler, dann Wolfgang Vogl im Team arbeiten wir mit Afghanen, vier bis fünf Männer und acht bis elf Frauen. Nun ist auch noch ein serbisches Ehepaar dazugekommen. Die Altersspanne liegt zwischen Anfang 20 bis Anfang 60. Alle suchen ihr Namenschild raus und setzen sich; gern Frauen zu Frauen, Männer zu Männern. Zwei junge Frauen schwatzen gern, wie im richtigen Schulleben. Die Schüchternen werden mutiger bei Spielen, beim Schreiben an der Tafel, beim Nachsprechen.

Im Gruppenraum nebenan sind Frau Schmidtke und ihre Enkelin Jessika freiwillig da, um die Kinder der lernenden Eltern beim Spielen zu betreuen oder im Kinderwagen zu schieben, so dass wir Ruhe haben beim Lernen. Babys im Kinderwagen dürfen mit in den Lernraum, werden mal angelegt, wenn sie Hunger haben:  Eine familiäre Atmosphäre.

Eine verwitwete Mutter wird wechselseitig unterstützt von ihren Söhnen. Einer ist Bäckerhelfer und kommt nach der Frühschicht, um uns auch beim Übersetzen zu helfen. Alle bringen zuverlässig ihre Bücher von HUEBER, ihre Schreibhefte, Mappen und Stifte mit und kommen überwiegend pünktlich bei uns an. Das Gefälle von Schnelllernern (besonders jungen Frauen, die über ihre Schulkinder schon eine Vorerfahrung haben) und älteren Schülern (die sich mit der Feinmotorik beim Schreiben, mit den fremden Vokalen und Umlauten und mit der Aussprache schwertun) ist groß. Inzwischen gibt es zum schriftlichen Arbeiten im Schreiblernbuch von HUEBER noch Zusatzmaterial für die schnellen Lerner. Einige arbeiten vor und zeigen ihre Seiten stolz. Andere sind im deutlichen Rückstand. Noch differenzieren wir nicht in zwei Gruppen, weil die Teilnehmer so liebevoll aufeinander eingehen und das mittlere Tempo angenommen wird.

Es sind jetzt die Buchstaben A, E, O, B, F, M, N, P, S, T gefestigt, so dass Kombinationen  An-na, Ot-to, An-na-nas, Ba-na-ne, So-fa (Buchstabenwäscheleine mit Schieben der Buchstaben zu Silben und Wörtern) eingeübt werden können. Satzmuster werden im Spiel oder mit Bildern im Buch erarbeitet. Mein rechter Platz ist leer, ich wünsche mir die Leyla her. Oma und Opa sitzen auf der Bank. Das Gras ist grün. Farben und Zahlen, Uhrzeiten und Richtungen werden durch Roboterspiele, selbst gelegte Uhren auf Pappscheiben mit Zahnstocher-Zeigern  eingeübt. Bei Aldi gab es die Buchstabenkekse ‚Russisch Brot‘ – der Renner. Ein Buchstabe wird hochgehalten, wer ihn zuerst rät, darf ihn essen: Von Hand zu Mund zu Bauch zu Kopf, lachen wir.

Von groß zu mittel zu klein, so wird das Schreiben geübt. Luftbuchstaben mit Gymnastik im Stehen imitieren, die die Lehrer vorschreiben, dann an der Tafel die Riesenbuchstaben ausmalen. Buchstaben turnen. Ein A wird mit der Körpersäule und schräg nach unten abgespreizten Armen gezeigt, ein O ist ein runder Armkreis vor dem Bauch etc. Dann erst wird ins Buch geschrieben.

Bei einigen älteren Kursteilnehmern ergab sich recht schnell das Problem, dass die Augen das Schreiben von kleinen Buchstaben nicht unterstützen konnten, so dass wir einen Kontrolltermin beim Augenarzt angeregt haben. Frau Hostert von Fördern & Wohnen hat prima weitergeholfen. Stolz zeigt uns Ra. sein Brillen-Rezept in der nächsten Stunde.

Singen hat auch seinen Platz im Unterrichtsprogramm: Morgenlied, Viva La Musica, ABC-Lied, Alle meine Entchen (das können die jungen Frauen durch ihre kleinen Kinder im Kindergarten), 10 kleine Indianer mit Fingerzeigen und rückwärts … Nun sind Wolfgang und ich dran: Wir lernen ein afghanisches Wiegenlied, das uns ein Vater und drei Mütter vorsingen. Nach zwei Stunden können wir erst eine Zeile gut, schwer vom Text her und von der chromatischen Melodie! Daran haben nun alle Schüler ihre Freude! Und uns Lehrern macht der Unterricht mit diesen offenen, freundlichen und sehr humorvollen Menschen einen Riesenspaß!

Annette Andresen
April 2017

Frühlingserwachen – Gartenprojekt in der BEF15

Herrlich warmes Wetter, 4. April 2017 um 4 Uhr nachmittags. T-Shirts, kurze Hosen bei den Jungen.

120 Liter Gartenerde hatte Anja, die Hauswirtschaftsleiterin, mit den Jungen aus der Wohnunterkunft am Lerchenfeld  schon besorgt. Der vom Winter trockene, mit Laub und Schoten des Robinienbaums übersäte Rasen vor dem Haus war gesäubert. Drei sportliche, junge Gartenfans und wir beiden Gartenfrauen ergriffen die Spaten, Harken und Schubkarre und legten los. Aus unserem Beet vom letzten Jahr musste die alte Sanderde raus, um in dieselbe Senke die dunkle, humose Erde zu verbringen. Auf dem Wochenmarkt am Immenhof erstanden wir  leuchtende Frühlingsblüher: gelbe, rostfarbene und tiefblaue Schweizer Riesen, Bellis, Vergissmeinnicht, weiße Schleifenblumen, lila Levkojen. Es entstand ein kunterbuntes, vergnügtes Frühlingsbeet!

Und nun wässern!

Der Gartenschlauch wurde wieder angeschlossen. Satt wurden die im Januar eingepflanzten Weihnachtsbäume getränkt. Die Hortensien, die wir im Sommer gesetzt hatten, haben tatsächlich wieder ausgeschlagen und den Winter überstanden! Und die prächtigen Narzissen und Tulpen, deren Zwiebeln wir am Zaun im Herbst gesetzt hatten, bekamen einen Extra-Schwall Wasser.

Ja, aber die Kaninchen! Die hatten im letzten Jahr unser komplettes Gemüsebeet verspeist!

Eine kleine Rolle Kaninchendraht rundum und oberdrüber, sperrige Stiele von einem Riesenunkraut als Wehr wurden ins Beet gesetzt. Sieht jetzt aus wie eine Blumenfestung. Aber noch sind alle Blüten unversehrt!

Die gemeinsame Wasserspritzerei aus dem Schlauch toppte den Tag. Sehr ausgelassene, glückliche Jungen! Ende April wollen wir ein Staudenbeet anlegen. Wir berichten wieder.

Inge Volk, Annette Andresen

Nächster Termin Runder Tisch: 11. September 2017

Liebe Freunde und Freundinnen von „Gertrud hilft“,

wir laden zum nächsten Runden Tisch ein: am Montag, 11. September 2017 in der Zeit von 18:00 bis ca. 20:00 Uhr
im Gemeindesaal der St. Gertrud Kirche, Immenhof 12.

Neben einem Bericht über die Unterkünfte Freiligrathstraße und BEF15 am Lerchenfeld möchten wir mit Ihnen über das Thema „Wie verändert sich die Arbeit mit Geflüchteten?“ ins Gespräch kommen. Wir wollen darüber diskutieren, wie sich unsere ehrenamtliche Tätigkeit seit 2015 verändert hat und sich aller Voraussicht nach in nächster Zeit weiter verändern wird und wie wir uns darauf vorbereiten können.

Wir freuen uns, für dieses Thema mit Mischa Helfmann einen Experten gewonnen zu haben, der uns in dieses Thema einführen wird. Mischa Helfmann ist beim Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Hamburg-Ost für den Bereich „Migration und Asyl“ zuständig und seit mehreren Jahrzehnten in der Flüchtlingsarbeit tätig.

Und wir freuen uns Sie und eine rege Diskussion mit allen Teilnehmern.

 

Newsletter April 2017

Liebe Freunde von „Gertrud hilft“,

mit dem heutigen Newsletter möchten wir Sie wieder über unsere Termine, Aktivitäten und die aktuellen Hilfegesuche informieren.

Termine

  • Verschiebung Helferfest auf den 1. Juli 2017
    Das Grillfest für alle Helferinnen und Helfer, die sich bei „Gertrud hilft“ engagieren, findet am Samstag, 1. Juli von 15:00 – 18:00 Uhr auf der Gemeindewiese im Immenhof statt. Ursprünglich war es für den 8. Juli geplant. Aufgrund des zeitgleich stattfindenden G20-Gipfels haben wir uns für eine Verschiebung entschieden.

Hilfegesuche

  • Aufsichten für den Computerraum
    Für den Computerraum in der Freiligrathstraße, den wir demnächst in Betrieb nehmen möchten, suchen wir schon jetzt Aufsichten.  Für diese Tätigkeit reichen Computer-Grundkenntnisse aus. Wenn Sie sich vorstellen können, uns in diesem Bereich zu unterstützen, melden Sie sich bitte unter Angabe der möglichen Zeiten unter info@gertrud-hilft.de.
  • Vertretung Kinderbetreuung
    Für die Kinderbetreuung, die dienstags von 09:30 – 13:00 Uhr während der Deutschkurse stattfindet, suchen wir HelferInnen, die alle 14 Tage bereit wären, diese zu übernehmen. Denkbar wäre auch, die Betreuung jede Woche zu teilen, z.B. in der Zeit von 09:30 – 11:00 Uhr zu übernehmen. Bei Interesse melden Sie sich gerne unter info@gertrud-hilft.de.

Berichte über unsere Aktivitäten

  • Alphabetisierungskurs in der Unterkunft Freiligrathstraße
    Seit März 2017 gibt es den Alphabetisierungskurs in der Freiligrathstraße. Fünf Männer und ungefähr zehn Frauen, vor allem aus Afghanistan, nehmen regelmäßig daran teil. Die Altersspanne liegt zwischen Anfang 20 bis 60. Parallel zum Kurs gibt es eine Betreuung für die Kinder der lernenden Eltern.
    Gelernt wird auf die unterschiedlichsten Arten: Konventionell mit Lehrbüchern, aber auch durch Spielen und Singen. Favorit ist das Buchstabenraten mit dem Gebäck „Russisch Brot“: Wer den Buchstaben rät, darf ihn auch essen. Von Hand zu Mund zu Bauch zu Kopf!
  • Gartenprojekt in der BEF 15
    Anfang April startete das Gartenprojekt in der BEF 15 wieder. Gemeinsam mit Annette Andresen und Inge Volk machten einige Jungen der Unterkunft den Garten wieder frühlingsfit: Der Rasen wurde gesäubert und neue Erde in die Beete gefüllt. Jetzt schmücken gelbe, rostfarbene und tiefblaue Schweizer Riesen, Bellis, Vergissmeinnicht, weiße Schleifenblumen und lila Levkojen den Garten. Der Höhepunkt für die Jungs: Das Bewässern der Beete bzw. die sich daraus entwickelnde Wasserschlacht!
  • Praktikum in der Apotheke
    Durch die Bekanntschaft aus dem Gartenprojekt ergab sich für einen Bewohner der BEF 15 die Möglichkeit, ein Praktikum in der Apotheke von Sabine Ay in Barmbek zu machen. Waren Sabines Mitarbeiterinnen anfangs skeptisch, ob seine Sprachkenntnisse reichen würden und ob es ihm gelänge, nur mit Frauen zusammenzuarbeiten, konnte Muhamed schnell durch seine höfliche Art überzeugen. Er hatte einige intensive Gespräche, meist mit älteren Kunden, die ihm von ihrer Flucht vor über 70 Jahren erzählten und von ihm vieles über seine Heimat und seine Flucht wissen wollten. Die drei Wochen Praktikumszeit waren für alle Beteiligten eine wertvolle Erfahrung. Als Muhamed sich an seinem letzten Tag mit Blumen, Schokolade und selbstgeschriebenen Karten verabschiedete, waren alle gerührt.

Alle Informationen finden Sie auch auf unserer Website www.gertrud-hilft.de. Wenn Sie helfen möchten, schreiben Sie bitte eine E-Mail an info@gertrud-hilft.de.

Wir freuen uns über Ihre Hilfe!

 

Das Koordinationsteam

Ulf Andresen

Sabine Ay

Peter von Gottberg

Astrid Sanders

Tobias Sanders

Viera Schleidt

Christiane Tichy

 

 

 

 

 

 

 

Gemeinsames Fest des Gymnasiums am Lerchenfeld mit der BEF

Am 30. November 2016 fand ein gemeinsames Fest von Oberstufenschülern des Gymnasiums am Lerchenfeld und den Jungen der benachbarten EVE – jetzt BEF – statt. Aus meiner Beobachtung war das Fest sehr gelungen. Als Mitglied des Festausschusses interessierte mich jedoch ganz besonders die Sicht der jungen Leute aus dem BEF. Deshalb traf ich mich am letzten Samstag mit Hussein, Katrib und Masoud. Gemeinsam betrachteten wir die verschiedenen Aspekte, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten.

  • Ich hatte vorher Lampenfieber, sagten alle drei Jungen.
  • Die Musik, die Band und die Sänger, besonders die eine Sängerin, waren gut. Sie haben

für eine lockere und entspannte Atmosphäre gesorgt. Die Musiker haben uns Freude gemacht. Wir haben geklatscht, getanzt und gesungen. Toll war, dass Milad (Keyboard) mitgespielt hat und von den Band-Mitgliedern so gelobt wurde. Die wollen Kontakt zu ihm halten.

  • Das Essen war sehr lecker. Wir haben leider nicht so viel gegessen, weil wir kaum Zeit dafür hatten.
  • Wir hatten die Schüler vorher nur gesehen. Seit dem Fest kennen wir einige. Wir haben mit vielen gesprochen, auch mit den Mädchen. Sie waren sehr offen und interessiert.

Das Fest war schön, wunderbar, prima, super, großartig, interessant, fröhlich, locker und entspannt und auch etwas verrückt.

Die Schüler des Gymnasiums waren freundlich, höflich, interessiert, gesprächig, witzig und vor allem nicht hochnäsig.

Hussein berichtete vom Bazar der Schule. Er fand nur zwei Tage später am Freitag statt. Er hatte sich getraut mit drei anderen Jungen dorthin zu gehen. Das war ganz toll! Viele hatten sie wieder erkannt und angesprochen. Die Lehrerin Frau Hübenbecker hatte ihnen sogar Kuchen angeboten.

Mir haben die Vorbereitung, die Durchführung des Festes und ganz besonders das Gespräch mit den drei Jungen über das Fest sehr viel Freude bereitet.

Dagmar Lücke-Neumann

Runder Tisch: 13. Februar 2017

Runder Tisch zum Thema Willkommenskultur und Wertediskussion

Am 13. Februar 2017 fand im Gemeindesaal der St. Gertrud-Gemeinde ein weiterer, von „Gertrud hilft“ veranstalteter, Runder Tisch statt, diesmal mit dem Themenschwerpunkt Willkommenskultur und Wertediskussion. Das Ziel der Veranstaltung war herauszufinden, wie Integration trotz unterschiedlicher religiöser und gesellschaftlicher Werte gelingen kann.

„Gertrud hilft“ konnte für dieses Thema zwei Experten als Referenten und „Inputgeber“ gewinnen: Mara Sommerhoff und Dr. Dirk Hauer. Frau Sommerhoff leitet am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung das Referat Gesellschaft. Unter ihrer Redaktionsleitung ist der Ordner „Miteinander leben – Grundrechte vertreten – Gesellschaft gestalten“ entstanden, der Unterrichtsmaterialien zum Thema Wertebildung enthält. Dr. Dirk Hauer ist Spezialist für den Themenkomplex „Migration und Existenzsicherung“ und Fachbereichsleiter beim Diakonischen Werk Hamburg.

Frau Sommerhoff fragte zunächst die über 50 Teilnehmer, welche Werte für jeden Einzelnen wichtig sind. Heraus kam, dass es gemeinsame Werte gibt, aber mehrheitlich auch sehr unterschiedliche. In der Diskussion darüber wurde deutlich, dass es bereits unter Deutschen nicht nur verschiedene Wertevorstellungen, sondern zusätzlich auch noch differierende Prioritäten gibt. Aber: Wir haben aufgrund unseres demokratischen Grundverständnisses gelernt, diese Differenzen zu tolerieren, sie zu respektieren und sie in unser tägliches Miteinander zu integrieren.

Nicht anders geht es den Geflüchteten. Allerdings kommen sie häufig aus Staaten, die keine demokratische Grundordnung haben. Stattdessen müssen sie eine starke religiöse Prägung und Einmischung in staatliche und private Belange erleben. Dies trägt dazu bei, dass andere Werte-Prioritäten gesetzt werden und sich in Teilen auch andere Vorstellungen herausgebildet haben.

An diesem Diskussionspunkt angekommen, stellte Herr Dr. Hauer die These auf, dass eine Wertediskussion unnötig ist. Wie deutlich wurde, haben alle Menschen – egal ob aus derselben oder aus anderen Nationen stammend – unterschiedliche Werte. Unsere Gesetze regeln das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Werten. Wir sind ein demokratischer Rechtsstaat, der eben gerade nicht voraussetzt, dass alle den gleichen Werten folgen.

Was wir von den Geflüchteten erwarten müssen ist, dass sie sich an unsere Gesetze halten. Als Beispiel wurden die Sylvestervorfälle in Köln genannt: Die Taten wurden nicht begangen, weil es in den Heimatländern der Männer Konsens ist, Frauen in der Öffentlichkeit „betatschen“ zu können. Das Gegenteil ist der Fall. Diese Taten sind geschehen, weil die Täter glaubten, sich nicht an Gesetze halten zu müssen. In der Arbeit mit Geflüchteten ist es somit wichtig, sie mit unseren Gesetzen und Verhaltensregeln sowie mit der Tatsache vertraut zu machen, dass religiöse Vorschriften in unserem Land nicht über den Gesetzen stehen.

An dieser Stelle meldete sich Ronald Bücker zu Wort, der als Ehrenamtlicher in der Folgeunterkunft Kiwittsmoor für die Arbeitsgruppe „Tipps/Regeln/Werte/Vorstellung – Wie funktioniert Deutschland?“ zuständig ist. Er hat seit Ende 2015 bereits 12 Veranstaltung für insgesamt mehr als 100 Geflüchtete durchgeführt – u. a. zu den Themen „Begrüßung, Umgang und Höflichkeit“, „Persönliche Freiheiten und  Regeln im Zusammenleben“, „Schutz von Natur und Umwelt“, „Gleichberechtigung von Männern und Frauen“, „Kinder, Schule und Ausbildung“. Eine bespielhafte Initiative.

In dieser angeregten Diskussion kam das Thema „Willkommenskultur“ leider etwas zu kurz. Gerne hätten wir Fragen wie „Sind die Bilder der Willkommenskultur eine Ursache der Flucht?“ oder „Kann ein Staat sich aussuchen, wie viele und welche Flüchtlinge er aufnehmen möchte? Wäre das unmoralische Willkür?“. Leider reichte die Zeit dazu nicht.

„Gertrud hilft“ ist stolz darauf, dass der zwei- bis dreimal pro Jahr stattfindende Runde Tisch so großen Anklang findet. Deshalb ist der nächste Runde Tisch bereits in der Planung. Er findet am Montag, 11. September 2017 in der Zeit von 18:00 bis 19:30 Uhr im Gemeindesaal der St. Gertrud Gemeinde statt. Das Thema steht noch nicht fest.

Ulf Andresen
Juni 2017